Samstag, April 09, 2005

Als Feuerwehrjunge in Bergen-Belsen (TV-Tipp)

Sonnabend, 9.4.05, 19:30 NDR Hallo Niedersachsen (TV)

"In dem Moment, wo wir hier raus kamen, dass heißt, in dem Moment schon wo ich über die Brüstung geguckt habe und dort drüben die Panzer gesehen habe, da kroch in mir die Angst hoch", erinnert sich Walter Kaatz an das Kriegsende. Als 17-jähriger Feuerwehrjunge verbrachte er die letzten Kriegswochen in der Feuerwehrschule in Celle. Die Mannschaft ist im Dauereinsatz. Tag und Nacht muss sie zu Löscheinsätzen ausrücken. Im Schulgebäude wird gekocht, gegessen und auf einem Matratzenlager geschlafen.

Als die Engländer am 12. April in Celle einrücken fürchtet Walter Kaatz, die Truppen könnten die Feuerwehrmänner unter Beschuss nehmen. Mit ihren Uniformen könnten sie für Soldaten gehalten werden. Tatsächlich forschen die Briten energisch nach. Genau müssen die Feuerwehrleute ihre Aufgaben erklären. Schließlich wird die ganze Mannschaft als ungefährlich entlassen und zu Hilfsdiensten eingeteilt. Die Feuerwehrleute werden für Krankentransporte, Aufräumarbeiten und Reparaturen eingesetzt.

Am Morgen des 16. April müssen die Feuerwehrleute Wasserschläuche verladen. Die Fahrt geht nach Belsen. Die Briten hatten das Lager am Tag zuvor befreit. Als die Truppen ankommen, werden die Engländer von den wenigen Überlebenden bejubelt - die Feuerwehrmänner in den deutschen Uniformen hingegen zählen für die Lagerinsassen zu ihren Peinigern. "Da sind welche geschlagen, bespuckt worden und getreten worden", erinnert sich Walter Kaatz. Schließlich ordnete der englische Kommandant den Schutz der Feuerwehrleute durch seine Soldaten an.

Bei der Ankunft in Belsen glaubte Walter Kaatz zunächst in einem Straflager zu sein. Die Zustände waren erbärmlich. 60.000 Menschen waren in dem Lager zusammengepfercht. Die hygienischen Zustände waren unbeschreiblich. 10.000 Leichen liegen übereinandergeworfen auf dem Gelände verteilt. Zwei Wochen lang organisiert und betreibt Walter Kaatz mit seinen Celler Feuerwehrkameraden die Wasserversorgung des Lagers. Meist arbeitet er an einer Wasserpumpe außerhalb des Lagers. Was in Belsen wirklich geschah, wird ihm erst allmählich deutlich: "Nachher kristallisierte sich das heraus - erst Wochen später - dass das politische Gefangene, dass das verschleppte Juden waren und Kriegsgefangene", berichtet Walter Kaatz. "Da haben wir erst begriffen, dass die systematisch getötet wurden hier drinnen."

So hat Walter Kaatz seinen Einsatz als junger Feuerwehrmann in Belsen dann auch als eine Art persönlicher Wiedergutmachung empfunden. Die Wasserversorgung, so berichtet er, "hätten ja auch die englischen Soldaten machen können. Aber, dass sie da Deutsche für genommen haben, das fand ich schon gut". Die Erinnerung müsse wach gehalten werden, meint Walter Kaatz. Regelmäßig besucht er die Gedenkstätte und verfolgt mit großem Interesse deren Ausbau und Neugestaltung.