Montag, April 18, 2005

Auch n21 war da!

60 Jahre Freiheit - aber die Erinnerung lebt!

Die n-21 Onlineredaktion des Theodor-Heuss-Gymnasium Wolfsburg war am Freitag, den 15.04.2005 exklusiv für Sie unterwegs und berichtet diesmal von einer ganz besonderen Veranstaltung: Wir besuchten die Gedenkfeier anlässlich des 60. Jahrestages der Befreiung der Überlebenden des Nazi-Regimes im ehemaligen Konzentrations- und Endlager Bergen-Belsen. Unsere Schule ist seit Jahren Fördermitglied in der AG Bergen-Belsen und alle Klassen des zehnten Jahrgangs besuchen jedes Jahr das ehemalige Konzentrationslager. Viele Schüler des THG-Wolfsburg haben sich vor der Gedenkfeier an einer Friedentauben-Aktion als Zeichen der Verbundenheit mit den Holocaust-Opfern beteiligt. Für uns war es auch deshalb ein besonderes Anliegen, die Gedenkfeier zu dokumentieren und von den vielen persönlichen Eindrücken zu berichten, die wir von diesem Tag mitnehmen konnten.

Als wir in Bergen-Belsen ankamen, hörten wir uns zuerst den Vortrag einer Überlebenden an. Marion Blumenthal-Lazan erzählte ihre Geschichte, die sie als kleines Mädchen hier in Deutschland erlebte. Heute vor 60 Jahren, es war an einem Sonntag, wurde das Lager von britischen Soldaten befreit. Doch Marion Blumenthal-Lazan durfte die Befreiung damals nicht mit erleben. Sie war nicht hier, sie musste noch aushalten. Kurz vor der Befreiung wurden sie und ihre Familie aus dem Lager gebracht, um sie möglicherweise noch als sogenannte „Austauschjuden“ für deutsche Kriegsgefangene zu benutzen. Sie mussten noch bis zum 23. April 1945 warten. Heute lebt Frau Blumenthal-Lazan in New York und berichtet vielen Menschen auf der ganzen Welt von ihren schlimmen Erlebnissen im Holocaust.

„Ich bin heute morgen hier, um meine Geschichte zu erzählen. Es ist meine Geschichte vom Holocaust. Es ist eine Geschichte von Ausdauer, Glaube und hauptsächlich Hoffnung. Es ist auch eine Geschichte, die Anne Frank erzählt hätte, wenn sie durchgehalten hätte.
Unser Leben Anfang 1930 in Deutschland war für meine Familie so, wie es heute für euch ist. Nie hätten wir gedacht, dass antisemitistische Ereignisse unser Leben so zerstören könnten. Mein Vater besaß ein Schuhgeschäft in einem kleinen Dorf hier in der Nähe, Hoya heißt es, und meine Eltern, mein zwei Jahre älterer Bruder und ich wohnten mit meinen Großeltern über dem Geschäft. Doch das Leben für Juden wurde schwieriger und schwieriger und 1935 kamen die Nürnberger Gesetze. Hier sind nur einige davon:
Ø Juden war es nicht erlaubt in Kinos, Theater, Parks oder Schwimmbäder zu gehen.
Ø Öffentliche Schulen waren für jüdische Kinder geschlossen.
Ø Juden durften nur zu bestimmten Tageszeiten einkaufen. Und Nicht-Juden durften nicht in jüdischen Geschäften einkaufen.
Ø Nicht-Juden durften einfach nicht gesehen werden mit Juden.
Ø Und der große Buchstabe „J“ für Jude wurde auf Ausweise und Pässe gestempelt.

Diese Einschränkungen sind immer weiter gegangen und meine Eltern beschlossen Deutschland zu verlassen. Meine Großeltern waren schon über 70 Jahre alt, krank und wollten ihr Heim nicht aufgeben. Sie konnten die Notwendigkeit auch nicht begreifen. Beide starben 1938 und bald danach erhielten wir unsere Dokumente für die Auswanderung nach Amerika. Damals war ich gerade 4 Jahre alt. Wir waren gezwungen, unser Geschäft für einen kleinen Teil seines Wertes zu verkaufen und kurz danach zogen wir nach Hannover.
Früh morgens nach der „Kristallnacht“ vom 9.November 1938 wurde mein Vater verhaftet und ohne unser Wissen in das Konzentrationslager Buchenwald transportiert. Ich wusste nicht, ob ich meinen Vater je wiedersehen würde. Zur selben Zeit nahm die Polizei Decken von uns und taten alle kostbaren Dinge hinein, knoteten sie zusammen, warfen sie über die Schultern und gingen damit weg. Mein Vater wurde nach zehn Tagen entlassen und das nur, weil unsere Papiere für die Auswanderung nach Amerika in Ordnung waren. Erst kurz davor hatte er das „Eiserne Kreuz“ für seinen Militärdienst im Ersten Weltkrieg bekommen.
Im Januar 1939 wurden wir in Holland aufgenommen und von dort wollten wir nach Amerika auswandern. Für die nächsten neun Monate mussten meine Eltern für 125 jüdischen Kinder sorgen, die von ihren Eltern aus verschiedenen europäischen Ländern geschickt wurden, um sie vor den Nazis zu schützen.
Im Dezember 1939 wurden wir alle ins Aufenthaltslager Westerborg in Holland gebracht. Dort haben wir mit vielen anderen auf unsere Quotennummern nach Amerika gewartet. Westerborg war von den Holländern gebaut für europäische Juden, die vor den Nazis geflüchtet waren.
Im Mai 1940, einen Monat vor unserer geplanten Auswanderung nach Amerika, haben die Deutschen Holland besetzt und wir waren gefangen. Alle unsere Sachen, die schon auf dem Schiff waren, wurden zerstört und verbrannt, als der Hafen Rotterdams bombardiert wurde.

In Westerborg teilten meine Eltern, mein Bruder und ich uns zwei kleine Zimmer. Damals gab es noch genug zu Essen, sodass wir nicht hungern mussten. Meine Eltern arbeiteten, mein Vater reparierte Schuhe und meine Mutter arbeitete in der Küche. Wir Kinder hatten wenig Schule und die Tage waren langweilig und sehr lang. Damals war ich gerade 6 Jahre alt.
Ein paar Monate später, als die Deutschen SS Westerborg eingenommen hatten, wurden wir bekannt gemacht mit dem grauenhaften Stacheldraht. Als Tausende Juden verhaftet und viele aus ihren Verstecken geholt wurden, genau so wie Anne Frank und ihre Familie, wurde Westerborg überfüllt und wir mussten unsere Zimmer mit einer anderen Familie teilen.
Und dann begannen die schrecklichen Transporte zu den Konzentrations- und Vernichtungslagern nach Osteuropa. Diese Transporte haben Anfang 1942 begonnen, jeden Dienstag Morgen. Männer, Frauen und kleine Kinder mussten zur Station gehen, von wo sie Richtung Osten transportiert wurden.

Im Februar 1944 kam unsere Zeit. Wir Kinder waren naiv und freuten uns über die Abwechslung. Wir durften einen Rucksack pro Person mitnehmen und was wir da reinstopfen konnten, das durften wir behalten. Als wir zur Station kamen und die vielen Viehwagen sahen, bekamen wir es mit der Angst zu tun.
Ich erinnere mich, dass es bitterkalt, stockdunkel und eine regnerische Nacht war, als wir im KZ Bergen-Belsen ankamen. Die Deutschen Wachen haben uns angeschrieen und mit Gewehren und gemein aussehenden Polizeihunden begrüßt. Ich war klein, gerade 9 Jahre alt, und hatte eine Riesenangst.
Bergen-Belsen war in verschiedene Abteilungen unterteilt und von elektrischen Zäunen, Stacheldraht und hohen Wachtürmen umgeben. Unsere Abteilung war das „Sternlager“, so genannt, weil wir den gelben Judenstern weiter tragen mussten.

(Bild ist in Überschrift oben verlinkt)
Frau Blumenthal-Lazan mit ihrem "Judenstern"


600 unserer Leute waren in jeder Baracke untergebracht, die im Ersten Weltkrieg eigentlich nur für je 100 russische Gefangene gebaut wurden. Die Baracken hatten keine Fenster, waren dunkel, primitiv und immer kalt. Die sogenannten Betten waren drei Etagen hoch und zwei Personen mussten jedes Bett teilen. Ich war froh und hatte sehr viel Glück, dass ich mit meiner Mutter ein Bett teilen konnte. Mein Bruder durfte mit meinem Vater das Bett teilen.
Könnt ihr euch vorstellen, dass zwei fremde erwachsene Menschen in einem engen Bett zusammen schlafen mussten? Wie ihr wisst, ist der deutsche Winter lang und kalt. Wir hatten nur eine dünne Decke und eine Strohmatratze.

Ich erinnere mich, als ich zum erstem Mal einen Wagen sah und dachte, er wäre vollgefüllt mit Holz, für den einen kleinen Ofen in der Baracke, der natürlich niemals benutzt wurde. Ich habe bald gemerkt, dass der Wagen voll war mit nackten toten Menschen, die aufeinander gepackt waren.
Die Toiletten waren lange Holzbänke mit Löchern, weit weg von den Baracken. Wir hatten keine Privatsphäre, kein Toilettenpapier, keine Seife und wenig Wasser, um uns zu waschen. Und in beinahe anderthalb Jahren in diesem Dreckstall Bergen-Belsen konnten wir nicht ein einziges Mal unsere Zähne putzen.
Hier gab es keine Blumen, keine Bäume und niemals sahen wir Gras. Und wenn es geregnet hatte, mussten wir durch den Dreck laufen und das machte unser Leben noch trauriger und unglücklicher.

Jeden Morgen mussten wir Appell stehen. Fünf Personen in einer Reihe, um gezählt zu werden. Manchmal mussten wir den ganzen Tag dastehen, ohne Essen, ohne Wasser, in jedem Wetter und ohne warme Kleidung. Wir hatten sehr oft Frostbeulen und mussten unsere gefrorenen Zehen und Finger mit unserem eigenen Urin wärmen.
Unsere Diät bestand aus einer Scheibe Brot, einem kleinen Stück Margarine und warmem Wasser mit Steckrüben, Kartoffeln und Mohrrüben. Die Ration Brot bekamen wir später nur noch einmal in der Woche und auch nur, wenn unser Bett 100 Prozent in Ordnung war.
Einmal im Monat durften wir duschen und wir mussten uns unter strengster Bewachung ausziehen. Wir hatten schon von den gefürchteten Gaskammern gehört und wussten darum niemals, ob Wasser oder Gas aus den Duschen kommen würde.

Die Nazis taten ihr bestes um uns körperlich und geistig zu zerstören. Sehr oft haben unsere Leute versucht wegzulaufen. Natürlich ist ihnen das selten gelungen. Oft haben wir die Menschen tot am Stacheldraht hängen sehen.
Unterernährung, Durchfall und fehlender Überlebenswillen machten den Körper und die Seele kaputt. Jeden Tag sah man Leichen herumliegen und sehr oft sind wir sogar über die Toten gestolpert. Sie konnten nicht schnell genug weggebracht werden. Wir als Kinder haben Furchtbares gesehen. Ich weiß, dass ihr alle davon gelesen oder gehört habt, Filme gesehen habt vom Holocaust, aber der schreckliche Schmutz, Gestank und die Umgebenheit von Toten ist unbeschreiblich, sowohl mit Worten als auch mit Bildern. Unser gesamter Körper, unsere Haare und unsere Klamotten waren voll mit Läusen.
Ich hatte mir eingebildet, dass, wenn ich vier kleine Kiesel oder Steinchen ungefähr in der selben Größe finden würde, meine Familie überleben würde. Es war ein schmerzhaftes Spiel, denn was würde sein, wenn ich nur zwei oder drei Steine finden würde? Trotz allem hat mir dieses abergläubische Spiel Hoffnung gegeben.

Die jungen Leute und Männer haben am meisten gelitten und starben zuerst. Die am längsten gelebt haben und irgendwie durchgekommen sind, waren die Frauen und hauptsächlich die Mütter. Der starke Wille ihre eigenen Kinder durchzubringen, gab ihnen die Kraft durchzuhalten. Meine Mutter ist eine von diesen unglaublichen, tapferen Frauen. Ich bin überzeugt, dass es ihre innere Stärke, ihre energische und optimistische Natur war, die uns am Leben hielt. Heute ist sie 97 Jahre alt und lebt ganz in der Nähe von uns. Sie ist eine wunderbare, bemerkenswerte Frau.
Eines Tages gelang es meiner Mutter, die in der Küche gearbeitet hat, ein paar Kartoffeln und Salz zu schmuggeln. Eine leere Blechdose diente als Kochtopf und kleine Holzstücke unseres sogenannten Bettes dienten als Feuerholz und so versuchte meine Mutter heimlich Suppe zu kochen. Dies taten wir auf unserem Bett. Ich saß bei ihr, um ihr zu helfen. Die Suppe fing langsam an zu kochen und war beinahe fertig, als die SS uns überraschte. In der Eile das alles zu verstecken, kippte der Topf mit der kochenden Suppe auf mein Bein. Wir hatten gelernt uns zu beherrschen und Selbstkontrolle zu haben. Ich wusste genau, dass unser Leben in Gefahr sein würde, wenn ich geschrieen hätte. Das passierte im April 1945 und ich war gerade 10 Jahre alt.

Die Bevölkerung von Bergen-Belsen hatte sich sehr vermindert, aber nicht schnell genug für die Nazis. Einige Wochen später wurden drei Züge voll mit unseren Leuten in den Osten geschickt zu den Vernichtungslagern und Gaskammern. Meine Familie war mit 2500 anderen im letzten der drei Züge. Es war April 1945 und die Russen kamen von Osten und die Engländer und Amerikaner von Westen. Unter normalen Umständen hätte die Zugfahrt zehn Stunden gedauert, aber damit unser Transport nicht in die Hände der Alliierten fallen sollte, waren wir zwei lange Wochen unterwegs, ohne Essen, ohne Wasser, ohne Medizin und ohne Toilettengebrauch. Wenn der Zug hielt, durften Leute, die noch kräftig genug waren, hinaus, um Wasser aus dem Fluss zu trinken. Meine Mutter erinnert sich, dass sie einen Topf genommen hat und damit das Wasser aus der Lokomotive gesammelt hat. Dieser Topf war auch schon zu anderen Zwecken genutzt worden. Und immer, wenn der Zug gehalten hat, wurden die Toten entlang der Schienen begraben. Dieser Zug war die Hölle auf Rädern. 500 Menschen, also ein Fünftel des Transports, sind auf der Fahrt oder kurz danach gestorben.
Mein verbranntes Bein war in einem schrecklichen Zustand, voll mit Eiter und Läusen. Ende April 1945 kamen die deutschen Soldaten plötzlich durch den Zug und verlangten Männerkleidung, um nicht als deutsche Soldaten erkannt zu werden. Da wussten wir, dass der Krieg endlich am Ende war. Es war die russische Armee, die uns befreite und uns ins nächste Dorf, Tröbitz, brachte. Viele Bewohner waren aus Tröbitz geflüchtet und wir übernahmen ihre Häuser. Die Küchen waren voll mit gutem Essen, doch unsere ausgehungerten Körper konnten das ungewohnte, nahrhafte Essen nicht vertragen. Um diese Zeit wog ich als Zehnjährige nur 10 Kilo.
Die Russen haben uns so gut wie möglich behandelt und mein Bein wurde medizinisch versorgt, kurz bevor es mir hätte abgenommen werden müssen. Als ich kräftiger wurde, habe ich auch wieder laufen gelernt. Inzwischen wurden unsere Köpfe geschoren, um uns von den Läusen zu befreien.

Ich kann mich gut an das Frühjahr 1945 erinnern, das Wetter war schön, klar und sonnig, Blumen fingen an zu blühen und die Vögel sangen. Es war ein wunderbares Gefühl endlich frei zu sein.

Wir hatten alle Typhus, aber mein Vater musste davon sterben, sechs Wochen nach der Befreiung. Er war nur 47 Jahre alt. Und dies nach sechseinhalb Jahren geistiger und körperlicher Qual. Mein zwölfjähriger Bruder Albert hat unseren Vater selbst begraben und meine Mutter wurde eine 37jährige Witwe mit zwei jungen Kindern, ohne Heimat, ohne Geld und ohne Zuhause.

Wenn ich von dieser Zeit spreche, ist es, als ob ich aus einem bösen Traum erwache. Ich versuche mich zu überzeugen, dass das nicht mir passiert ist und dieser Gedanke hilft mir darüber zu sprechen.

Mein Bruder und ich wurden in einem Kinderheim aufgenommen, wo wir ein neues Leben angefangen haben und wo wir vorbereitet wurden, nach Palästina, jetzt Israel, auszuwandern. Ich musste mich an alles neu gewöhnen. Zu dieser Zeit habe ich auch mit der Schule angefangen und im Kinderheim lernten wir hebräisch, um später nach Palästina auswandern zu können.
Damals war Palästina unter englischer Kontrolle und sie erlaubten nur einer bestimmten Anzahl von Leuten dort einzureisen. Also beschloss meine Mutter, dass wir nach Amerika auswandern wollten. Die Kosten für die Schiffsreise nach Amerika, die schon 1939 bezahlt war, war uns gutgeschrieben worden.
Am 23. April 1948 sind wir endlich in Amerika angekommen, genau 3 Jahre nach unserer Befreiung. Weil ich kein Englisch sprechen konnte, war ich mit 13 Jahren in der 4. Klasse mit 9jährigen zusammen. Um schneller voranzukommen habe ich Extrakurse genommen, bin im Sommer zur Schule gegangen und habe sehr schwer gearbeitet, um mit 18 Jahren das Abitur zu machen, das war nur fünf Jahre später. Ich war die achtbeste Schülerin in einer Klasse von 267 Schülern.
Zwei Monate später habe ich meinen Mann geheiratet, er war 19 und ich war 18 Jahre alt. Wir haben drei verheiratete Kinder, die uns insgesamt neun Enkelkinder beschert haben.

Ihr müsst wissen und ich denke ihr merkt es, dass es schwer für mich war, diese Geschichte zu erzählen. Ich habe das hunderte Male getan, ich habe zu über 300.000 Menschen gesprochen in den letzten Jahren, in Israel, Deutschland und Amerika. Doch es muss darüber gesprochen werden, es muss erzählt werden. Diese Geschichte muss geteilt werden, ganz einfach weil wir in ein paar Jahren nicht mehr hier sein werden und niemand mehr aus erster Hand erzählen kann. Ich bitte euch, teilt meine Lebensgeschichte und alle Holocaust-Geschichten, die ihr gelesen und erzählt bekommen habt. Bitte, teilt sie mit euren Freunden, teilt sie mit euren Verwandten und irgendwann teilt sie mit euren Kindern und mit euren Enkelkindern, denn ihr seid die letzte Generation, die diese Geschichten aus erster Hand erzählt bekommen hat. Das Grauen des Holocausts muss weitererzählt werden, denn nur so können wir sicher sein, dass so etwas nie mehr wieder passieren wird.
Jeder von uns muss alles tun, was in seiner Macht steht um so etwas schreckliches zu verhindern. Wir können mit Liebe, Respekt und Toleranz füreinander anfangen, egal welcher Glaube, egal welche Hautfarbe, egal welche Nationalität. Wenn jeder damit zu Hause anfängt, in der Schule, in seinem Dorf, dann können wir auf der ganzen Welt Frieden haben. Wir müssen Brücken bauen zwischen einander und mehr Verständnis zeigen füreinander.
Und seid ehrlich zu euch selbst und glaubt an euch, folgt nicht blind irgendeinem Führer ohne darüber nachzudenken, was die Konsequenzen sein können und euer Herz zu benutzen.
Erinnert euch daran, teilt es, aber vor allem lebt immer danach und vergesst es niemals!
Das sind alles Botschaften, die wir alle kennen, sie müssen jedoch von Zeit zu Zeit wieder in das Bewusstsein gerufen werden und dies ist bestimmt eine gute Zeit dafür.“


(Bild ist oben verlinkt)
Mareike, Sonja, Frau Blumenthal-Lazan, Steffi (v.l.)


Nach diesem ergreifenden Vortrag hatte unsere Online-Redaktion die Möglichkeit, mit den Teilnehmern des diesjährigen Internationalen Jugendcamps zu sprechen.

(Bild ist oben verlinkt)

Frage: Was habt ihr in dem Camp gemacht?

Antwort: Wir sind aus neun verschiedenen Nationen z.B. Weißrussland, Slowenien, Norwegen und Israel und wir haben eine Außengruppe, die auf dem Gelände in Bergen-Belsen arbeitet und eine Kunstgruppe, die im ehemaligen Frauenlager die Überreste der Baracken etwas verschönern. Dann gibt es noch die Theatergruppe, die macht Skulpturen. Außerdem gibt es noch zwei Gruppen, die sich mit Zeitzeugen beschäftigen.


Frage: Wie lange dauert das Camp?
Antwort: Von Samstag, dem 09.04.2005 bis Sonntag, den 17.04.2005.

Frage: Wie alt muss man sein um teilnehmen zu dürfen?
Antwort: Eigentlich 16, aber es gibt auch etwas Jüngere hier.

Frage: Wie viele Jugendliche haben dieses Jahr teilgenommen?
Antwort: Ungefähr 60 Jugendliche.

Frage: Wie seid ihr auf die Idee gekommen mitzumachen?
Antwort: Mein Vater ist hier Teamer und der hat mir davon erzählt.
Antwort: Ich eigentlich durch die Schule. Ich war letztes Jahr schon hier und das hat mir so gut gefallen, dass ich noch mal hier her wollte.

Frage: Hattet ihr Spaß hier?
Antwort: Ja, auf jeden Fall, das war total gut und wir würden jederzeit wieder teilnehmen.

Die anschließende Gedenkveranstaltung am Obelisken wurde von Frau Blumenthal-Lazan und dem Internationalen Workcamp gestaltet. Sie sprachen über bewegende Dinge, denn die Veranstaltung stand unter dem Motto „Dialog der Generationen“.
Wir waren nicht die einzigen Redakteure vor Ort. Verschiedene Radio- und Fernsehsender berichteten live aus Bergen-Belsen. Aber nicht nur das Interesse der Öffentlichkeit, sondern vor allem unsere Eindrücke zeigen uns ganz deutlich, dass besonders wir Jugendlichen eine Verantwortung übernehmen können, dass die Schrecken der Nazi-Zeit nie wieder Wirklichkeit werden können.
Am Sonntag wird eine weitere Veranstaltung in Bergen-Belsen folgen, bei der unter anderem der Grundstein für das neue Dokumentenhaus gelegt werden soll.
Weitere Fotos von der Gedenkfeier finden Sie unter der Rubrik "Fotos" am Seitenanfang!