Mittwoch, April 13, 2005

Cellesche Zeitung: Zwischen Ausgrabung und Kunst

Jugendliche erfahren Geschichte

Es ist schon Tradition geworden und noch immer gibt es viel zu tun: Bis zum kommenden Sonntag sind mehr als 50 Jugendliche aus verschiedenen Ländern auf das Gelände des ehemaligen KZs Bergen-Belsen gekommen um hier an den Ausgrabungen teilzunehmen. Sie können aber auch mit Zeitzeugen sprechen oder an einem Projekt eines Berliner Gestalters teilnehmen.

Es gibt Dinge, die werden wohl für immer unbegreiflich bleiben. Wenige Meter vom Eingang zum Konzentrationslager Bergen-Belsen entfernt, vergnügten sich die SS-Lageraufseher im für sie angelegten Schwimmbad. Hier verlebten sie ihre Freizeit, als ob sie das Massensterben, das nur einen Steinwurf weit weg passierte, nichts anginge. Einige Jugendliche des Internationalen Jugendworkcamps haben in den vergangenen Tagen die Grundmauern eines neben dem Schwimmbad gelegenen Gebäudes freigelegt. Gestern arbeiteten sie noch an einem Weg, über den Besucher direkt vom Waldweg zum Schwimmbad gelangen können.
Arne Michael Leuning gehört zu denen, die unter Federführung der AG Jugendarbeit in Bergen-Belsen an der Ausgrabung mitgewirkt haben. Den 15-Jährigen aus Osterholz-Scharmbeck bedrückt der enge Kontakt zwischen Freude der SS-Männer und dem Leid und Chaos im Lager. „Es ist schrecklich, dass die Leute Spaß daran hatten, die Häftlinge zu quälen.” Wie für den 16-jährigen Darius Rutkauskas hat für ihn die Arbeit im Lager allerdings auch eine positive Seite. „Es ist sehr schön, mit den Jugendlichen aus vielen anderen Ländern zusammenzukommen”, sagt der Litauer stellvertretend für die Teilnehmer des Camps.
Einige hundert Meter weiter, auf dem Gelände des ehemaligen Frauenlagers, entsteht etwas ganz anderes. Hier arbeitet der Berliner Gestalter Wolf Leo mit Jugendlichen unter anderem aus Israel und Deutschland an einer künstlerischen Gestaltung der nachgestellten Baracken-Grundrisse. „Ich möchte einen positiven Aspekt in diese Gegend bringen”, sagt Leo. Er wolle etwas gegen die Erstarrung des Gedenkens tun, schließlich könne das Leid der KZ-Häftlinge ohnehin nicht erlebbar gemacht werden. So hängte unter anderem Julia Nieweler aus Syke mit Steinen beschwerte blaue Bänder an das Holzgerüst, die im Wind flattern. „Wir setzen uns durch die künstlerische Arbeit mit dem Ort auseinander”, sagt die 18-jährige Nieweler.
Interessant wird für die Jugendlichen des elften Jugendcamps das Wochenende werden. Rund 450 Überlebende des Lagers werden am Sonntag zur Feier des 60. Jahrestags der Befreiung in die Gedenkstätte kommen. Die etwa 50 Campteilnehmer werden dabei viele der betagten Gäste betreuen. Schon jetzt kommen Zeitzeugen zu den Jugendlichen. „Marion Bienes aus Amsterdam ist zum zweiten Mal dabei”, erzählt Mitorganisator Volker Walpuski. „Das an so einem Ort so etwas Positives passiert, ist wundervoll”, sagt Bienes.

Helge Buttkereit

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

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2:43 nachm.  

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