Dienstag, April 12, 2005

Ein ganz besonderer Gedenkstättenrundgang

Zwei Kleingruppen hatten Dienstag Vormittag das Vergnügen, jeweils mit einem Zeitzeugen und Überlebenden des Lagers über das Gelände der Gedenktstätte gehen zu können: Frau B. aus Amsterdam und Herr L., der schon Montag Abend sprach.

Auch wenn die Gruppen etwas pressebelagert waren: Es war spannend und bewegend! Beide haben Schwierigkeiten, sich im Landschaftspark Bergen-Belsens zu orientieren: Nichts sieht mehr aus wie 1944/1945, es gibt keine Gebäude mehr und die Bäume sind auch weg bzw. komplett neu gewachsen. Woran soll man sich orientieren? Herr L. sagte: "Es ist, als seist du inmitten einer großen Stadt und man gibt dir den Plan einer ganz anderen Stadt."

Die Gespräche, die teilweise sehr persönlich waren, drehten sich aber nicht nur um Erinnerungen an die Lagerzeit, sondern es wurden auch Fragen nach Gott und Versöhung gestellt. Herr L. sagte: "Ich kann verzeihen, und ich habe verziehen, aber ich kann das nur für mich sagen. Schon für meine Familie kann ich es nicht sagen, weil ich es nicht weiß."

Frau B., die bereits im letzten Jahr im Workcamp zu Gast war, fühlt sich wohl inmitten der rund 60 Jahre jüngeren Menschen: "Dass an einem schrecklichen Ort wie diesem so etwas Gutes geschieht, finde ich toll!" Sie spricht viel mit den Jugendlichen, ist oft zu Gast im Anne-Frank-Haus und isst mit den Jugendlichen. Sie hat sich mehrere Tage Zeit für die Jugendlichen genommen. Am Mittwoch wird sie in Hermannsburg in einer Schule sein, und es ist ihr wie auch Herrn L. wichtig, über die damaligen Erlebnisse zu berichten. Schweigen hilft nicht, Rassismus und Menschenverachtung zu überwinden.