Mittwoch, April 13, 2005

Gedenkfeier auf dem sowjetischen Kriegsgefangenenfriedhof Hörsten

Bei Bergen-Belsen denkt eigentlich jedeR gleich an ein Konzentrationslager. Was viele gar nicht wissen, selbst die Überlebenden nicht, ist, dass es von 1941 bis 1945 auch ein sowjetisches Kriegsgefangenenlager in Belsen gab. 1941, nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion („Unternehmen Barbarossa“), kamen viele tausend sowjetische Kriegsgefangene ins Deutsche Reich. Die Wehrmachtsführung versagte ihnen die ihnen völkerrechtlich vereinbarten Rechte für gefangene Soldaten:
„Der Bolschewismus ist der Todfeind des nationalsozialistischen Deutschland. Zum ersten Male steht dem deutschen Soldaten ein nicht nur soldatisch, sondern auch politisch geschulter Gegner gegenüber. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus ist ihm in Fleisch und Blut übergegangen. Er führt ihn mit jedem ihm zu Gebote stehenden Mittel: Sabotage, Zersetzungspropaganda, Brandstiftung, Mord. Dadurch hat der bolschewistische Soldat jeden Anspruch auf Behandlung als ehrenhafter Soldat nach dem Genfer Abkommen verloren.
Es entspricht daher dem Ansehen und der Würde der deutschen Wehrmacht, daß jeder deutsche Soldat dem sowjetischen Kriegsgefangenen gegenüber schärfsten Abstand hält. [...] Widersetzlichkeit, aktiver oder passiver Widerstand muß sofort mit der Waffe restlos beseitigt werden. [...] Bei den sowj. Kr. Gef. ist es schon aus disziplinären Gründen nötig, den Waffengebrauch sehr scharf zu handhaben. [...] Auf flüchtige Kr. Gef. ist sofort ohne vorherigen Halteruf zu schießen. Schreckschüsse dürfen niemals abgegeben werden.“
In Hörsten mussten rund 20.000 Gefangene ohne Unterkünfte und mit wenig Nahrung leben. Sie gruben sich Erdlöcher. Innerhalb weniger Monate starben rund 18.000 von ihnen an Mangelernährung, Krankheiten und Kälte. Sie und weitere 30.000 sowjetische Kriegsgefangene sind in Hörsten in Massengräbern beigesetzt.
Unsere Teilnehmenden aus den ehemaligen sowjetischen Gebieten (Litauen, Russland, Belarus) haben eine Gedenkfeier veranstaltet. Sie lasen Texte von Überlebenden, Gedichte, spielten ein Lied auf der Gitarre. Und schließlich konnten alle Teilnehmenden eine Tulpe niederlegen.

1 Comments:

Anonymous Anonym said...

lohnt sich das lesen. Ich fand es sehr informativ, wie ich geforscht habe in letzter Zeit viel über praktische Fragen wie dir reden ...

8:00 vorm.  

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