Mittwoch, April 13, 2005

Marion Blumenthal Lazan erzählt aus ihrem Leben

Mittwochvormittag war Frau Blumenthal Lazan mit ihrem Mann und ihrer Enkeltochter Arielle bei uns zu Gast. Sie wurde Anfang der 1930er in Hoya (Norddeutschland) als Kind jüdischer Eltern geboren. 1938 beschlossen sie nach der Reichsprogromnacht, Deutschland zu verlassen. Sie emigrierten in die Niederlande, um dort auf ihre Einreisegenehmigung in die USA zu warten. Dort wurden sie 1940 vom Überfall der deutschen Wehrmacht überrascht. Aus dem Durchgangslager Westerbork wurden sie 1944 mit ihrer vierköpfigen Familie nach Belsen deportiert. Marion Blumenthal Lazan hatte sich ein Spiel ausgedacht: Wenn ich vier identische Kieselsteine finde, dann wird unsere Familie überleben. Oft suchte sie panisch den dritten oder vierten Stein. Dieses und andere imaginäre, abergläubische Spiele waren ihre Technik, den Lebenswillen aufrecht zu erhalten. Sie fand – weil sie schummelte – eigentlich immer vier Kiesel. Und alle vier Blumenthals überlebten Belsen. Doch kurz nach der Befreiung starb Vater Blumenthal. Die Familie ging via Amsterdam schließlich doch in die USA.
Die gut zwei Stunden waren wieder viel zu kurz, um ein ganzes Leben zu erzählen und zu hören. Zum Schluss war nur kurz Gelegenheit, Fragen zu stellen. Volker sagte in aller Namen Dank mit einem Buch über unsere Arbeit und einem gelb leuchtenden Schal: „Internationales Workcamp Bergen-Belsen 2005“. Wir freuten uns, dass unsere Gäste noch mit zur Gedenkfeier kamen. Dort trafen sie auch auf Frau B., unseren Gast aus Amsterdam.