Montag, April 11, 2005

Zeit bezeugen: Überlebende berichten

Montag Abend war ein bewegender Tag: Ivan L., der als Achtjähriger den letzten Monat vor der Befreiung in Bergen-Belsen als Häftling gelebt hat, berichtete uns aus seinen Erinnerungen. Der 68-jährige, der heute in der Schweiz lebt, erzählte, wie die Judenverfolgung in der Slowakei, seinem Heimatland, begann. Erst im November 1944 wurden seine Mutter, sein Bruder und er in das KZ Ravensbrück deportiert. Von dort ging es im März 1945, kurz vor der Befreiung und dem Kriegsende, in einem der sogenannten Todesmärsche nach Bergen-Belsen.
Dort war das Leben deutlich schlimmer als in Ravensbrück: Es gab nicht genug zu essen. Ein Besuch der Latrine war ein Risiko: Einerseits konnte man sich dort leicht mit Krankheiten infizieren, andererseits konnte man dort auch überfallen werden. Seine Mutter und er - sein Bruder war in Ravensbrück umgekommen - ermutigten sich gegenseitig und schafften es, zu Überleben. Die Britischen Armee nahm sie in das Nothospital auf und sie erholten sich. Zunächst kehrten sie in die Slowakei zurück, später emigrierte die Familie.

Gespannt lauschten die Camp-Teilnehmenden dem Vortrag, später konnten sie Fragen stellen. Die Zweisprachigkeit bereitete nur kleine Probleme. Fast alles wurde in Deutsch und Englisch beredet. Aber müde wurden dann nach 2 Stunden doch alle. Und eine kleine Gruppe freute sich, dass Herr L. ihnen am Dienstag Vormittag noch zur Verfügung stehen würde.