Freitag, April 14, 2006

Interview mit dem Zeitzeugen Herrn Lefkovits

Wann und wie sind Sie in Bergen-Belsen angekommen?

"Ich kam im Januar 1945 mit meiner Mutter aus Ravensbrück. Wir kamen mit dem Zug bis Celle und gingen dann im Todesmarsch nach Bergen-Belsen. Wir waren sehr schwach und hatten keine Kraft, dadurch starben viele Menschen. Auf dem Todesmarsch wurde ich von einem Mädchen, dass ich aus der Slovakei kannte, auf dem Rücken getragen, weil ich mehr nicht laufen konnte. Das Mädchen war ungefähr 16 Jahre alt. "

Was haben Sie die ganze Zeit in Bergen-Belsen gemacht?
"Wir haben nichts gemacht und nur in den Baraken gesessen. Wenn wir rausgegagen sind,was sehr gefährlich war, sind wir entweder zur Latrine gegangen oder wir sind etwas trinken gegangen. Das war alles sehr schwer, weil wir alle krank waren und Typhus hatten."

Was haben Sie gegessen und getrunken?
"Wir hatten nichts, aber es gab Wasserbecken, die entweder so dreckig waren, dass wenn man davon getrunken hätte, gestorben wäre, oder es war verboten. So musste man sich entscheiden ob man verdursten wollte oder am dreckigen Wasser sterben wollte."

Glauben Sie, dass es Ihrer Mutter geholfen hat zu überleben, weil Sie bei ihr waren?
"Ja, natürlich, weil sie sich um mich kümmern konnte und sie einen Grund hatte weiter zu leben. Ich habe mich dadurch beschützt und geborgen bei meiner Mutter gefühlt, was mir das Leben erleichtert hat."


Was haben Sie in dem Moment, als Sie befreit wurden, gefühlt?
"Ich habe eigentlich gar nichts gefühlt, als das Lager von den Briten befreit wurde. Wir waren auch zu schwach, mit einigen anderen aus der Baracke zu gehen. Wir hatten nach der Befreiung am 15. April 1945 auch immer noch kein Wasser. Der eigentliche Tag der Befreiung war für mich 48 Stunden später, am17. April 1945, weil wir endlich wieder Wasser hatten."

Was passierte mit Ihrem Bruder?
"Mir wurde erzählt, dass er in Ravensbrück starb, aber erst 4 Tage vor der Befreiung. Ich habe später jemanden getroffen, der ihn noch als letztes vor seinem Tod gesehen hat."

Können Sie uns mehr über Ihren Bruder erzählen?
"Ich erinnere mich, dass wir in ein Waisenhaus geschickt wurden,weil unsere Eltern uns so schützen wollten. Ich war erst 7 und mein Bruder war 13. Er hat mir gesagt, dass er nicht hier bleiben will, sodass er mich an die Hand nahm und wir wegliefen, bis wir zu Hause waren.
Lange Zeit später, nach dem Krieg, erzählte mir eine Frau aus dem Waisenhaus, dass alle Kinder aus dem Waisenhaus, sie waren 17 Kinder, nach Theresienstadt gebracht wurden und überlebten, alle außer mein Bruder."

Was fühlen Sie, wenn Sie heute nach Bergen-Belsen gehen? Finden Sie, dass z.B. einige Baracken wieder aufgebaut werden sollten?
"Ich fühle nichts, und ich finde nicht, dass hier wieder irgendwas aufgebaut werden sollte. Ich finde es gut wie es jetzt ist."


Vielen Dank für das Interview. Wir haben auch noch viel mehr Fragen, aber leider keine Zeit mehr. Wir wünschen ihnen ein gesundes und langes Leben.