Freitag, April 14, 2006

Jugendliche erkunden Historie des Lagers Bergen-Belsen

33 Jugendliche aus sieben Ländern arbeiten derzeit auf dem Gelände des ehemaligen Lagers Bergen-Belsen. Bei dem Internationalen Jugendworkcamp versuchen sie, Grundrisse freizulegen und sich dem unbegreiflichen Geschehen auf künstlerische Weise zu nähern.

Das Camp wird organisiert von der Gewerkschaft Verdi, dem CVJM-Landesverband Hannover und dem evangelischen Kreisjugenddienst Laatzen-Springe. Volker Walpuski, der die Leitung innehat, verweist auf zehn ehrenamtliche Mitarbeiter, deren unverzichtbare Hilfe das Camp ermögliche. Ihm zur Seite steht Jan-Hinnerk Scholljegerdes als weitere hauptamtliche Kraft.
Die jungen Leute arbeiten ganz praktisch, indem sie mit Schaufel und Hacke versuchen, Fundamente freizulegen oder die Breite der ehemaligen Lagerstraße festzustellen. „Wir begrüßen das Engagement der Jugendlichen”, betont Christian Wolpers. Er ist für die pädagogische Arbeit in Bergen-Belsen verantwortlich. Nach seiner Ansicht helfen die Jugendlichen ganz praktisch durch ihre archäologische Arbeit, zum anderen werden sie als Multiplikatoren das Anliegen der Gedenkstätte in ihren Heimatländern verbreiten.
Und das fruchtet offenbar. „Ich habe festgestellt, dass die Deutschen heute die Neo-Nazis genauso hassen wie wir”, sagt der 17-jährige Almag, der in Israel zu Hause ist. Er beteiligt sich an den Ausgrabungen. Sechs andere Jugendliche studieren Zeichnungen von Gefangenen der Konzentrationslager und versuchen ihre Botschaft zu interpretieren. Dann bringen sie selbst Zeichnungen zu Papier. So wollen sie anderen ihre Empfindungen mitteilen.
Diplom-Pädagoge Andreas Mischkok, der das Projekt künstlerisch begleitet, sieht in dem unverkrampften Umgang der Jugendlichen an dieser Stätte keine Geschmacklosigkeit. „Kreativität und Lockerheit sind ein möglicher Ansatzpunkt, Jugendliche für die Ziele des Workcamps zu motivieren”, sagt er. Die seien in erster Linie auf Demokratie, Frieden durch Völkerverständigung und Abbau von Vorurteilen gerichtet, erklärt Walpuski.

Unter der Anleitung von Jan-Hinnerk Scholljegerdes (vorn) graben die Jugendlichen bei dem Workcamp Teile der ehemaligen Lagerstraße von Bergen-Belsen aus.

(c) Udo Genth, Cellesche Zeitung